Zählen und Vergleichen neu gedacht.

Autor(en)
Juliane Schiel
Abstrakt

Sehr gern, Juliane! Hier ein prägnantes Abstract (12 Zeilen):

Der Aufsatz plädiert für eine Wiederbelebung des klassischen sozialhistorischen „Zählens“ und „Vergleichens“ im Zeichen des Computational Turn – jedoch verschränkt mit den Sensibilitäten des Cultural, feministischen und postkolonialen Turns. Er zeigt, wie KI-gestützte Verfahren (HTR, LLMs, Embeddings) und neue Datenmodelle serielle Überlieferungen in bislang ungekanntem Umfang erschließen, ohne die mikrohistorische Tiefenschärfe zu ersetzen. Am Beispiel venezianischer Kriminalprotokolle (Avogadori di Comùn) wird illustriert, wie statistische Serienanalyse Hypothesen zur Kriminalisierung von Sklav*innen belastbarer prüft. Zugleich wird mit GRAPH-GRAM ein graphenbasiertes, am Simple Event Model orientiertes Vergleichsdesign skizziert, das nicht von etischen Kategorien, sondern von emischen Handlungs- und Bedeutungsstrukturen ausgeht. Der Beitrag fordert dafür eine doppelte Literalität: archival literacy (Quellenkritik, historische Semantik) und computational literacy (Datenmodellierung, Algorithmik). Nur ihr Zusammenspiel macht Modell-Bias sichtbar und erlaubt ein Re-Engineering digitaler Ontologien. Methodisch eröffnet dies eine transversal vergleichende Sozialgeschichte, die Praktiken von Zwang und Arbeit korpusübergreifend analysiert. Wissenschaftspolitisch plädiert der Text für kollaborative Arbeitsformen, offene Repositorien und die Anerkennung digitaler Outputs – damit Sozialgeschichte als kritisch-erklärende, empirisch belastbare Wissenschaft im digitalen Zeitalter handlungsfähig bleibt.

Organisation(en)
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Anzahl der Seiten
23
Publikationsdatum
12-2026
ÖFOS 2012
601029 Sozialgeschichte, 601008 Geschichtswissenschaft
Link zum Portal
https://ucrisportal.univie.ac.at/de/publications/0bd06996-9dfa-4ff1-a7b9-c24383a47381